Voller Erwartung fuhren zwei der drei diesjährigen Abschlussklassen, die HL VA und die HL VB gemeinsam mit Frau Professor Wetter und Frau Professor Richter zum Straflandesgericht Wien im achten Bezirk, um dort bei den Verhandlungen einen Einblick in das Berufsfeld eines Richters zu bekommen. Die erste Verhandlung, an der wir teilnehmen durften, nachdem wir am Eingang gründlichst auf Waffen und dergleichen überprüft wurden, handelte von einem Schwarzafrikaner aus Nigeria, der Widerstand gegen die Staatsgewalt geleistet hatte. Der Mann hatte sich nach einem Streit mit einer Ungarin nicht von der Polizei abführen lassen wollen und wehrte sich unter Protest gegen die Beamten vor Ort. Somit bekam er eine Freiheitsstrafe von 3 Monaten bedingt. Nach zwei weiteren Verhandlungen an diesem Vormittag hatten wir noch die Möglichkeit, mit dem ansässigen Richter, Herrn Mag. Peter Liebetreu, persönlich über die Fälle und das Richteramt zu diskutieren. Nach dem Gespräch wurde noch über eine Privatanklage der AKM („Autoren, Künstler, Musikverleger“; eine Urheberrechtsgesellschaft) verhandelt, da eine Kaffeehausbetreiberin ihre Abgaben für das öffentliche Aufführen von Radiomusik nicht leisten konnte. Sie wurde aufgrund der Verletzung des Urheberrechtsgesetzes mit einer Freiheitsstrafe von 2 Monaten bedingt bestraft. Zu Mittag durften wir noch mit der Vizepräsidentin, Mag. Eva Prachtl, das Landesgericht erkunden; beispielsweise konnten wir den „Großen Schwurgerichtssaal“, in welchem auch der BAWAG-Prozess abgewickelt wurde, besichtigen. Alles in allem war es ein überaus interessanter Tag, der uns Schülern bewusst gemacht hat, dass der Beruf des Richters zwar sehr hohe Anforderungen an die Bewerber stellt, aber trotzdem sehr spannend sein kann.
Karin Heschl, HL VB



